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„Ich selbst habe noch keinem Menschen das Jochbein gebrochen.“

Ein Gespräch mit Milli Dance von Waving the Guns über Gefühle, Gewalt und Battle-Rap

SaZ: In Euren Texten spielt die Gewaltfrage eine große Rolle. Nach den G20-Protesten in Hamburg ist das Thema auch wieder präsent. Was macht es mit Leuten, wenn sie dauernd mit Gewalt konfrontiert sind?

Milli Dance: Man wird entweder ängstlich, stumpft ab oder wird auch selber gewalttätig. Ich bin kein Freund von Gewalt und suche sie in der Regel auch nicht. Aber sie ist einfach da, überall in der Gesellschaft. Daher sollte auch der Umgang mit Gewalt präsent sein. Weiterlesen →

Kleine Geschichte des gesellschaftlichen Leids

Oder: Warum das mit den Gefühlen doch nicht so klar ist

Wer traurig ist, weint. Klingt erst mal logisch und eindeutig. Aber es gibt auch Menschen, die die Tränen unterdrücken. Andere weinen vor Freude. So schnell ist es vorbei mit der schönen Eindeutigkeit von Gefühlen: Die einen fürchten sich vor Spinnen, die anderen nicht. Oft ändert man auch seine Gefühle: Was einen früher auf die Palme gebracht hat, ist nun okay. Wer früher Angst vorm Blutabnehmen hatte, lässt sich heute schon mal vergnügt volltätowieren.
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You can stand under my umbrella!

Warum die radikale Linke geil und caring werden muss – Bericht eines Redaktionsmitglieds.

Eine männlich dominierte Gruppe, die jeden Dienstagabend schlecht gelaunt über Haupt- und Nebenwidersprüche debattiert, wobei der Unentspannteste den Ton angibt – so stellen sich die meisten Leute das Leben in der radikalen Linken vor. Auch deshalb hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Leute, die die Gesellschaft für grundsätzlich falsch eingerichtet halten, ja wohl logischerweise permanent sturzunglücklich sein müssten.
Was für ein Blödsinn! Warum das Leben in der radikalen Linken selbst in rückschrittlichen Zeiten viel mehr Glück bietet als die bürgerliche Norm-Gesellschaft, und wie es noch besser werden könnte, erzählt der folgende Artikel. Weiterlesen →

„Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl“,

erklärte einst Fußball-Legende und Hobby-Germanist Andy Möller.

…wir fühlen uns den ganzen Tag irgendwie. Und nicht selten erhalten wir den gut gemeinten Ratschlag, uns im Zweifel doch auf unsere Intuition zu verlassen: „Mach, was dein Herz dir sagt“. Lauschen wir den Weisheiten von Großmutter, unserem besten Freund oder der Neon, dann scheinen Gefühle oft eine höhere Instanz darzustellen, die man als Mensch nun mal ganz natürlich so hat.

Zwar lernt man im Leben dazu: Wie wir zu viel Energydrink vom Verliebtsein unterscheiden können und dass auch das zehnte gebrochene Herz noch weh tut und zur Trennung dazugehört. Genauso wie die Angst vor gefährlichen Tieren oder die Gewissheit: Es IST peinlich zu sehen, wie jemand Klopapier unterm Sneaker spazieren trägt – ja, schon seit ner ganzen Weile, ja, durch den ganzen Club.

Weil es eben alles doch nicht so einfach ist und Gefühle nicht einfach nur da sind, sondern immer mit den jeweiligen Verhältnissen zusammenhängen. Gerade die moderne bürgerliche Gesellschaft hat Gefühle als etwas entdeckt, aus dem Profit geschlagen werden kann und das gar nicht mehr nur ausschließlich privat ist – da haben Menschen Gefühlshaushalte, checken und steigern eigene Marktwerte und investieren in Beziehungen. Dazu diese Ausgabe #13.

Wir und dieser Blog

Hallo Ihr Lieben,
während der Ausgaben sind wir meistens vorrangig bei Facebook aktiv. Das heißt, dieser Blog hat manchmal dann auch ein Monat oder so keinen neuen Text. Aber bald kommt auch die neue Ausgabe.
Herzlich, Eure SaZ

Soli-Sause im Möbel Olfe, Berlin

Solidarität vom Fass am 4. Dezember 2017 (Montag): 20:00-03:00Uhr

Möbel Olfe (Reichenberger Strasse 177, am Kottbusser Tor, Berlin)

Music:
Σαλ (Drunken Kitten Club)
Pop Shot Boys (des rues des sucre)

Soli-Schnaps, Pop´n Trash, Tombola, Plakat-Release!

Die Straßen aus Zucker laden am 4.12.17 herzlich zu einem Kneipenabend in der Möbel Olfe ein. Die Einnahmen gehen an das Zeitungsprojekt.

Für den Abend ist einiges geboten: Neben Soli-Schnaps, Süßigkeiten und Bier zapfenden Redaktionsmitgliedern stellen wir unser brandneues Plakat vor, dass nur darauf wartet, in euren WG-Küchen, Büros oder Schulen aufgehängt zu werden (ein kleiner Vorgeschmack auf das Plakat seht ihr im Titelbild).

Darüber gibt es Hits, Hits, Hits und eine Tombola mit goßartigen Preisen. Bisher untersützen uns Jungle World, Audiolith Records, ://about party, B-Lage / Neukölln, Tristeza :: kollektivkneipe ::, Black Mosquito, Café Dritter Raum, k-fetisch mit Gutscheinen, Frei-Tickets und Merch! Da lohnt es sich mitzuspielen.

Eintritt auf Spendenbasis: 3- x Euro!
Ab 5 Euro gibt es ein Plakat.

Wir freuen uns auf Euch. Wir sehen uns an der Bar!

Geheimdienst gib Handy – online Lesen!

 

Die Texte unserer Broschüre „Geheimdienst gib Handy“ über den Inlangsgeheimdienst „Verassungsschutz“ könnt ihr jetzt auch online lesen (oder bestellen / als PDF herunterladen):

Die Ausgabe No. 12

Die neueste Ausgabe der Straßen aus Zucker hat sich nichts weniger als die Frage vorgenommen, wie wir leben wollen. Hier kann diese runtergeladen werden. Und hier kommt das Vorwort.

„You may say I’m a dreamer“, heißt es in einem alten Lied von John Lennon, das nur noch im „70/80/90er-Mix und das Beste von Heute“ verramscht wird. Und es kann nun wirklich nicht behauptet werden, dass Viele von den Ideen, die in dem Lied vorgeschlagen werden, träumen: einer Welt ohne Nationen, Eigentum und Religion. Gerade in Zeiten von AfD, Pegida, FPÖ, SVP, IS, Trump, AKP, Front National, Duterte und anderer Bewegungen des Horrors kann es schnell albern scheinen, über eine „befreite Gesellschaft“ und Utopien nachzudenken. Wenn das nichts mit den aktuellen Kämpfen zu tun hat, sondern eine paradiesische Welt am Reißbrett entworfen wird. Ohne die vielen gescheiterten Versuche zu reflektieren, die es bereits gab. Und einen Masterplan brauchen die Leute, die dann die grundlegende Veränderung erstreiten werden, auch nicht. Wir wollten das Gegenteil tun: Uns in trüben Zeiten Gedanken darüber machen, wofür wir eigentlich streiten. Es war nicht leicht, bei vielen Dingen sind wir uns unsicher, manches wird nur angerissen. Aber, dass es sich lohnt dafür einzutreten, dass es endlich besser wird, das wissen wir. Und: „We hope some day you’ll join us“.

Let’s make plans together!

Warum wir den libertären Plan 5.0 wollen

87 Prozent aller Rückenoperationen in Deutschland gelten als unnötig. Vor „falschen wirtschaftlichen Anreizen“ warnen deshalb Expert_innen, Operationen würden zu gut bezahlt. Wenn sich das ändert, dürften allerdings notwendige Operationen unterbleiben, weil sie sich „zu wenig lohnen“. Wobei ja auch jetzt schon nicht operiert wird, wenn es kein Geld für die Krankenversicherung gibt. Man kann sich die ratlosen Gesichter der außerirdischen Soziologiestudent_innen vorstellen, die diesen Wahnsinn nach Alpha Centauri berichten müssen. Wie bescheuert muss man sein, Gesundheit über Profit zu organisieren? Daraus folgt, dass nicht die medizinisch sinnvolle Maßnahme durchgeführt wird, sondern die, die sich finanziell lohnt. „Schatz, wie war Dein Tag?“ – „Fein, hab zehnmal sinnlos Rücken operiert!“ Doch das ist keine verrückte Ausnahme, es resultiert direkt aus der Organisation der Bedürfnisse über den Markt. „Wie würdet ihr es denn anders machen?“, wird darauf oft gefragt. Dazu weiter unten mehr. Aber vorher ein paar Bemerkungen zu den drei häufigsten Einwänden, mit denen eine Diskussion über Alternativen abgewürgt wird:
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All you need is love?

Liebe und Beziehungen in der befreiten Gesellschaft

Eine große Hoffnung, die eine auf Bedürfnisse ausgerichtete, von Herrschaft, Unterdrückung und Ausbeutung befreite Gesellschaft bietet, ist, dass in ihr Grenzen verschwimmen und verschwinden. Dass der Zwang entfällt, sich zu entscheiden oder gar andere über sich entscheiden zu lassen: Bist Du männlich oder weiblich? Schwul oder hetero? Heirat? Kinder? Zwischen Freundschaft und Liebe, zwischen Familie und Gesellschaft, zwischen begehren und begehrt werden, Freiheit und Bindung.
Man kann jetzt einwenden: Ein gebrochenes Herz wird trotzdem immer noch weh tun. Und noch immer wird die Zahl der Menschen, mit denen man enge und wichtige Beziehungen ein- gehen kann, durch Zeit und Raum begrenzt sein. Und dass das alles wenig zu tun hat mit dem herrschenden gesellschaftlichen System. Stimmt. Aber wollen wir nicht umso mehr unsere Zeit frei von Konkurrenz, Unterdrückung und Ausbeutung verbringen, die so viele weitere unnötige Grenzen, Zwänge und Leid schaffen?
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